Wann bittet Ihr um Notfalltermin?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Winni
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Beitrag Mi., 14.12.2022, 12:55

Spes hat geschrieben: Mi., 14.12.2022, 11:21
chrysokoll hat geschrieben: Mi., 14.12.2022, 10:36 [...]Du könntest eine Mail schreiben und das was dich so runter zieht schon mal darlegen.
Du könntest anrufen[...]
Ja, das könnte ich bestimmt. Ich habe aber Angst vor der Reaktion, wir haben das nicht explizit besprochen und ich möchte nicht rum nerven :anonym: Außerdem muss ich es dann ja in der nächsten Stunde ansprechen, was mich aber derart unter Druck setzen würde, dass die Panik noch größer wird und ich dann wahrscheinlich absage oder völlig durchdrehe [...]
Die Angst vor der Angst.

Der Thera hat ein Fass aufgemacht, und dies auch so benannt. Er weiss also, dass es Dich wahrscheinlich umtreibt. Wenn Du also anrufen würdest und sagen, dass es dir beschi... geht, wird ihn das eher nicht erstaunen. Vielleicht rechnet er sogar damit? Und ihr könntet schon mal kurz am Telefon mit Deinen für Dich so schrecklichen Gefühlen arbeiten. Und wenn Du die nächste Stunde hast, macht ihr weiter.

Die nächste Stunde wäre also keine neue Hürde, sondern würde nur das Telefonat präzisieren. Ich an Deiner Stelle würde das Gespräch suchen. Solch dramatischen Gefühle, wie Du sie offenbar hast, sind DIE Möglichkeit, in der Therapie weiterzukommen. Wenn Du sie verheimlichst, runterschluckst, davor wegläufst, verpasst Du eine gute Gelegenheit zum Heilwerden.

Angst kann ihre Schrecken verlieren, wenn man sie sich genau anschaut. Und Du hast mit Deinem Thera jemanden, der sie sich mit Dir ansieht. Hol ihn mit ins Boot.

Gutes Gelingen!
"An Ärger festhalten ist wie wenn Du an einem Stück
Kohle festhältst mit der Absicht, es nach jemandem zu werfen -
derjenige, der sich dabei verbrennt, bist Du selbst" (Buddha)

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Shukria
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Beitrag Mi., 14.12.2022, 16:00

Meine Frage war ja auch absichtlich danach, wann es günstig für dich gewesen wäre und nicht wann nicht.

Du könntest beim nächsten Mal auch selber für dich sorgen und sagen das aktuell du kein neues Fass aufgemacht haben möchtest weil du grad in der … Belastung bist. Das Recht steht dir ja zu Themen die er vorschlägt abzuwählen und dich zu erklären was dagegen spricht.

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Candykills
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Beitrag Mi., 14.12.2022, 16:07

Ich weiß nicht, ob Notfalltermine so sinnig sind, außer es ist etwas akut passiert bspw. ein Todesfall oder so.
Ich denke das deswegen, weil Suizidgedanken immer wieder auftreten können bzw. auch dauerhaft auftreten können in der Therapie und man kann nicht ständig Notfalltermine beanspruchen dann. Für mich ist das nicht zielführend.

Ich finde da viel zielführender die Dinge, die dich jetzt belasten auf Papier zu bringen und ihm entweder vorher in den Briefkasten zu werfen, so dass er das vielleicht ausnahmsweise schon vor der nächsten Stunde liest und ihr dann die Stunde wirklich gezielt darüber sprechen könnt. Oder du es mit in die Stunde nimmst.

Du wirst lernen müssen eigene Strategien in solchen Zuständen anzuwenden und wenn ihr darüber noch nicht gesprochen habt, dann wird es Zeit.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)

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lisbeth
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Beitrag Mi., 14.12.2022, 17:07

Candykills hat geschrieben: Mi., 14.12.2022, 16:07 Ich denke das deswegen, weil Suizidgedanken immer wieder auftreten können bzw. auch dauerhaft auftreten können in der Therapie und man kann nicht ständig Notfalltermine beanspruchen dann. Für mich ist das nicht zielführend.
Die Suizidgedanken werden durch einen Notfalltermin nicht dauerhaft verschwunden sein, das ganz bestimmt nicht.
Trotzdem denke ich es könnte hilfreich sein, die altbekannten Muster im Sinne von >> Rückzug, Verletzt sein, sich unverstanden fühlen << zu durchbrechen und um Hilfe zu bitten und dem Therapeuten deutlich zu zeigen, wie es wirklich aussieht. Ich glaube, erst wenn die Fakten auf dem Tisch sind und man sich selbst und dem Therapeuten nix mehr vorspielt kann es damit losgehen, dass man andere Bewältigungsstrategien für die schwierigen Situationen und Gefühle erarbeitet.

Winnis Vorschlag finde ich in der Hinsicht hilfreich, vor allem weil damit auch das Eis schon mal gebrochen ist, was das Reden über diese Gefühle angeht:
Winni hat geschrieben: Mi., 14.12.2022, 12:55 Der Thera hat ein Fass aufgemacht, und dies auch so benannt. Er weiss also, dass es Dich wahrscheinlich umtreibt. Wenn Du also anrufen würdest und sagen, dass es dir beschi... geht, wird ihn das eher nicht erstaunen. Vielleicht rechnet er sogar damit? Und ihr könntet schon mal kurz am Telefon mit Deinen für Dich so schrecklichen Gefühlen arbeiten. Und wenn Du die nächste Stunde hast, macht ihr weiter.
Und ja, ich denke dass ein direkter Kontakt am Telefon in so einer Situation zielführender ist als ein Brief oder eine E-Mail, weil sonst der nächste Film im Kopf losgeht: Hat er es gelesen? Kommt eine Antwort? Wenn keine kommt, warum nicht?
Spes hat geschrieben: Mi., 14.12.2022, 11:47 Es war ihm also schon klar. Die frage ist, wie komme ich jetzt damit klar.
Indem du für dich und deine Gefühle Verantwortung übernimmst und darüber redest und in den Kontakt gehst, anstatt es auszusitzen bis zum nächsten Mal, denn dann wird dir das alles schon wieder ziemlich egal sein, vermute ich.
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott

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sunny87
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Beiträge: 126

Beitrag Fr., 23.12.2022, 11:21

Hallo zusammen,

meistens kam nach anstrengenden EMDR-Sitzungen von meiner Thera das Angebot, je nachdem, wie es mir geht, ein Telefonat führen zu können. Ein paar Mal habe ich das auch in Anspruch genommen.

Einen außerplanmäßigen Notfalltermin bei einer vorherigen Therapeutin hab ich einmal in Anspruch genommen. Das war auch nach einer sehr anstrengenden Stunde, wo wir danach telefoniert hatten und sie mir vor einem Wochenende das Angebot gemacht hat, noch mal in die Stunde zu kommen.

Gerade, wenn auch von Therapeuten das Angebot gemacht wird, sich melden zu dürfen bei z.B. suizidalen Gedanken würde ich das auch in Anspruch nehmen. Besser als nichts zu tun...

sunny

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