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Do., 20.10.2022, 20:15
Du willst mit dem Kopf durch die Wand, Betti, und alles auf einmal (Scham soll weg, die Dissoziation soll weg, die Wut soll weg...) aber ich fürchte, so wird das nix. Denn du springst in diesem Dreieck aus Scham-Dissoziation-Wut umher wie ein kopfloses Huhn. Und - ganz ehrlich - mir kommt hier beim Lesen dieses Zitat in den Sinn, das Einstein zugeschrieben wird: "Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun aber andere Ergebnisse zu erwarten."
Lies mal deinen ersten Posts hier im Forum durch, die klingen ganz genauso wie heute. Das heißt, du versuchst seit was weiß ich wieviel Jahren immer wieder dasselbse, aber drehst dich nur im Kreis. Und deine Therapeutinnen drehen sich offensichtlich mit. Das meine ich nicht als Vorwurf an dich und das heißt auch nicht dass du "unfähig" wärst. Sondern ich möchte das als Plädoyer verstanden wissen, dass es vielleicht mal notwendig wird, deine Widerstände gegen andere Herangehensweisen und Ansätze zu überdenken. zB körpertherapeutische und achtsamkeitsbasierte Ansätze. zB kreative Therapiemethoden, wo es nicht so sehr auf das gesprochene Wort ankommt. zB andere Ansätze in der Traumatherapie. zB Klinikaufenthalt (und ja, es gibt auch noch andere Möglichkeiten als Akut-Psychiatrie) - Aber du bist überhaupt nicht bereit, da auch nur mal einen Millimeter von deinem ausgetretenen Pfad abzuweichen, und mal irgendwas Neues zu probieren. Oder auch nur mal in Betracht zu ziehen, dich nicht mit deinem Alltag und deiner Arbeit selbst "abzuschießen" - denn das kann auch eine Art Sucht sein, aus der man perfiderweise dann auch noch Bestätigung zieht, weil man ja "zum Glück" immer noch in einem akzeptablen Maß "funktioniert".
Auf mich wirkt deine Therapeutin ehrlich gesagt auch etwas planlos - und selbst wenn sie einen Plan hätte, sie würde aktuell damit nicht zu dir durchdringen. Solange du ständig so hoch in der Aktivierung bist, bringt es überhaupt nichts, sich mit Inhalten zu beschäftigen. Zu allererst ist die Regulierung dran: Verlangsamen. Das vegetative Nervensystem stärken (polyvagale Theorie, dazu gibts jede Menge Übungen). Achtsame Selbstbeobachtung - auch dafür ist Verlangsamung wichtig, sonst überforderst du dich gleich wieder selbst. Und für den Anfang ist für sowas ein geschützter Rahmen (Klinik oder Tagesklinik) absolut empfehlenswert. Denn du wirst da immer wieder auf dich selbst zurückgeworfen werden, und dann ist es gut, wenn Menschen da sind, die dich da aktiv unterstützen können.
Es ist deine Entscheidung, ob du dich auch die nächsten 7 Jahre weiter im Kreis drehen willst, ich würde dir wünschen, dass du früher den Ausstieg findest. Wenn du nicht bereit bist, die "Kosten" für den Klinikaufenthalt aufzubringen (also was es dich mental, psychisch an Anstrengung usw kosten würde) - will ich dir nur dalassen: Auch das Weitermachen wie bisher hat seinen Preis und der ist ganz sicher nicht niedriger als der Preis, der dir aktuell zu "teuer" erscheint.
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott