Schwierigkeiten in der Beziehung zu meinem Therapeuten

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Candykills
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Beitrag Di., 07.06.2016, 16:28

Jungs agieren im Normalfall mehr nach außen (liegt am Testosteron), deshalb auch mehr Gewaltbereitschaft. Mädchen agieren mehr nach innen (Selbstverletzung). Natürlich gibt es auch Mädchen, die nach außen agieren und Jungs, die sich selbst verletzen.
Ich bin wie einer, der blindlings sucht, nicht wissend wonach noch wo er es finden könnte. (Pessoa)

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Sprachlos.
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Beitrag Di., 07.06.2016, 16:32

Vielleicht bin ich ja zu dumm, um den Nutzen einer Analyse zu verstehen, aber was habe ich denn davon, wenn ich weiß, warum mein Bruder so ist, wie er ist und ich so bin, wie ich bin? Dadurch komme ich mit meiner Wut doch nicht besser zurecht. Wäre es nicht sinnvoller, sich anzuschauen, wie man im JETZT mit seiner Wut umgehen kann, dass es einem damit nicht so schlecht geht wie bisher?

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Baerchen
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Beitrag Di., 07.06.2016, 16:34

mio hat geschrieben:Dass Dich sein Verhalten wütend macht könnte daran liegen, dass Du Dir Wut nur schlecht erlauben kannst.
ja, das stimmt. aber seitdem ich die therapie mache, hat sich das ein wenig verbessert.

ich weiß jetzt zumindest, dass aggressive gedanken erlaubt sind. das entlastet sehr. es befreit auch.

was mich unfassbar wuetend macht, dass ich keine chance habe, zugang zu meiner mum zu finden. an der stelle versuche ich sie dann aber auch wieder zu veraendern, was nicht klappt. ich will es aber nicht kapieren. gedanklich stehe ich wie ein kleines kind da, was seine mum sehr verzweifelt anschreit. wach endlich auf, flehe ich sie an. aber ich treffe da auf eine mauer. wie sie bei mir, wenn ich anfange zu schweigen. sie hat dann keinen zugang. ich mache dicht, wie sie es auch macht, wenn ich sie darum bitte, fuer mich da zu sein.


mio
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Beitrag Di., 07.06.2016, 16:38

Baerchen hat geschrieben:ich frage mich nur, gibt es wie ein ausschlaggebender punkt, an dem man festmachen kann, in welche richtung man sich entwickelt. ich meine jetzt nur im zusammenhang, wie ich meine aggressiven gedanken steuere und ausagiere. wie ich damit umgehe.
Ich glaube da zu sehr "rückwirkend" drüber nachzudenken bringt Dir nichts für eine Veränderung.

Schau eher in die Richtung, ob Du Dir nicht heute zB. mal (aktive) Wut erlauben kannst und damit ein weniger selbstschädigendes Verhalten. Das kostet Überwindung wenn es nicht "geübt" ist, aber es lässt sich lernen. Du musst ja nicht gleich rumflippen, standhaft und klar NEIN zum Gegenüber sagen reicht völlig. Wichtig ist dass Du lernst Dich klar und aktiv im Gespräch auseinander zu setzen und Deinen Standpunkt und Deine Bedürfnisse zu vertreten. Dann musst Du das nicht mehr so "symbolisch" gegen Dich richten.

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mio
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Beitrag Di., 07.06.2016, 16:41

Baerchen hat geschrieben:dass ich keine chance habe, zugang zu meiner mum zu finden. an der stelle versuche ich sie dann aber auch wieder zu veraendern, was nicht klappt. ich will es aber nicht kapieren. gedanklich stehe ich wie ein kleines kind da, was seine mum sehr verzweifelt anschreit. wach endlich auf, flehe ich sie an. aber ich treffe da auf eine mauer. wie sie bei mir, wenn ich anfange zu schweigen. sie hat dann keinen zugang. ich mache dicht, wie sie es auch macht, wenn ich sie darum bitte, fuer mich da zu sein.
Und genau aus diesem Grund solltest Du versuchen Dir mehr "eigenen Raum/eigenes Leben" zu verschaffen in dem dieses Bedürfnis nach Ernstgenommen und Gehörtwerden befriedigt wird. Vom ständig gegen diese Mauer rennen wird Dein Kopf nur immer blutiger...

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Baerchen
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Beitrag Di., 07.06.2016, 16:55

Sprachlos. hat geschrieben:Vielleicht bin ich ja zu dumm, um den Nutzen einer Analyse zu verstehen, aber was habe ich denn davon, wenn ich weiß, warum mein Bruder so ist, wie er ist und ich so bin, wie ich bin? Dadurch komme ich mit meiner Wut doch nicht besser zurecht. Wäre es nicht sinnvoller, sich anzuschauen, wie man im JETZT mit seiner Wut umgehen kann, dass es einem damit nicht so schlecht geht wie bisher?
in der analyse geht es aber ja nicht nur alleine ums verstehen. in der uebertragung kann man neue erfahrungen sammeln.

aber man muss eben auch zulassen, was mir immer sehr schwer gefallen ist.

bei den themen scham, aggressive gedanken, schuld, ... neige ich immer den blick nach unten und merke, wie ich mich distanziere. ich kriege es dann teils auch gar nicht mehr mit, dass ich mich wie erstarrt fuehle.

frage mich gerade, inwieweit man das erlernen kann, da gegen zu steuern, wenn man merkt, es wird gerade zu nah, diesen uebergang erkenne ich selbst nicht.

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Baerchen
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Beitrag Di., 07.06.2016, 16:57

Candykills hat geschrieben:Jungs agieren im Normalfall mehr nach außen (liegt am Testosteron), deshalb auch mehr Gewaltbereitschaft. Mädchen agieren mehr nach innen (Selbstverletzung). Natürlich gibt es auch Mädchen, die nach außen agieren und Jungs, die sich selbst verletzen.
ja, das kann gut sein.

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Beitrag Di., 07.06.2016, 17:01

mio hat geschrieben:Und genau aus diesem Grund solltest Du versuchen Dir mehr "eigenen Raum/eigenes Leben" zu verschaffen in dem dieses Bedürfnis nach Ernstgenommen und Gehörtwerden befriedigt wird. Vom ständig gegen diese Mauer rennen wird Dein Kopf nur immer blutiger...
frueher war das zumindest im alltag auch machbar, ansatzweise. ich war im beruf und in meiner freizeit draußen unterwegs.

auch auf die gefahr hin, dass es ausschaut, als wuerde ich alles auf die schilddruese lenken, muss man aber auch mal ehrlich sein und sagen: ja, es war frueher mal anders. da war das abgrenzen teils machbar.

jetzt mit den starken beschwerden kann ich eben leider nicht mehr nach draußen. bzw. nur in sehr begrenztem rahmen. ich wuerde es gerne, aber mit den einschraenkungen geht das leider nicht.

allerdings war auch damals nicht an alleine leben zu denken. aber im alltag war ich sehr aktiv. nicht passiv im bett, wie jetzt mit dem praeparat.

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Baerchen
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Beitrag Di., 07.06.2016, 17:48

isabe hat geschrieben:Ich weiß nicht, wie es dir geht, Baerchen, aber MICH nerven die Beiträge auf den letzten Seiten hier tierisch!?
ist jetzt wieder ein bißchen her, als du es geschrieben hast, aber ich empfinden es, wie du auch. bei manchen beitraegen. nur hatte ich im vergleich zu dir nicht den mut das auszusprechen.

und ich haette sicherlich auch keine chance. denn es wirkte auf mich, als wuerde sich gerade eine herde gefraeßiger hyienen auf mich stuerzen, hehe.

aber ich spuere in etwa bei jedem einzelnen beitrag, mit wem ich da gerade in etwa schreibe. aber ich kann es nicht immer direkt benennen, was da dann zwischen uns steht.

manchmal lasse ich es dann auch einfach stehen, auch wenn ich merke, da stimmt etwas nicht. zum einen, weil ich keine kraft habe, das auszudiskutieren und zum anderen ist es vielleicht auch manchmal cleverer, wenn man jemand durchschaut hat und das gesagte einfach stehen laesst.

aber genau das (das stehen lassen) faellt mir sehr schwer. da muss nur jemand behaupten: das baerchen erfindet ihre beschwerden und leidet in wirklichkeit nicht, drehe ich am rad.

und zwar deshalb, weil ich befuerchte, dass jemand alle anderen damit anstecken kann.

und dann habe ich alle gegen mich.

das scheint bei meiner mum und mir im allgmeinen auch sehr wichtig zu sein. das wir beide immer die sicherheit haben, dass der andere auf unserer seite steht. andere meinungen werden direkt abgewertet. das bedeutet ja auch, dass ich streit sehr schlecht aushalten kann. schade eigentlich.

aber hier in den themen ging es mir nicht nur darum, dass sich jemand auf meine seite stellt.

aber ich finde es auch wichtig, wie man kritik an jemand herantraegt.

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Baerchen
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Beitrag Di., 07.06.2016, 18:12

seitdem ich die therapie mache, will ich verstehen. manches kann ich mir aber nicht selbst erklaeren.

beispielsweise tauchte gerade der gedanke auf, weshalb sadismus im leben entsteht. weshalb ich auf den gedanken kam, weiß ich.

aber ich kann nicht verstehen, wie man andere menschen quaelen kann. natuerlich kann ich jetzt aber auch hingehen und mich fragen, weshalb mache ich das mit mir selbst. ist auch nichts anderes. aber besser, als es an anderen auszulassen.

bei spinnen mache ich da allerdings eine ausnahme, hehe. da fehlt jegliche empathie.

naja, ich kapiere die welt eh nicht. ich verstehe nicht, weshalb man sich bekriegt.

ist es bei menschen, wie im tierreich. fressen und gefressen werden. ist es natuerlich, wenn sich menschen gegenseitig leid zufuegen?

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peppermint patty
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Beitrag Di., 07.06.2016, 18:38

Baerchen hat geschrieben:
ich meine damit, dass ich nicht verstehe, weshalb mein bruder ganz anders mit brass umgeht, als seine schwester, bei gleichen eltern.

essen einstellen, wuerde er wahrschneinlich niemals tun. er kann das auch ueberhaupt nicht verstehen, es macht ihn wuetend, habe ich den eindruck. und mich macht sein verhalten wuetend, wenn er sich nicht beherrschen kann.

was steckt da genau dahinter, dass man sich in die jeweilige richtung entwickeln kann.
Ich sehe es nicht als verschiedene Richtungen in die ihr euch entwickelt habt. Für mich ist es die gleiche Richtung. Nur ihr agiert eure Aggressionen anders aus. Aber nur sehr wenig anders.

Während dein Bruder direkt gegen andere wütet wütest du indirekt gegen andere. Denn das nicht essen wollen ist nicht nur selbstzerstörerisch es ist auch eine Aggression gegen die Mutter, die dies hilflos mitansehen muss. Die nichts tun kann. Insofern bedeutet das agierte Aggression und Machtausübung gegen die Mutter.
Und auch heute lebst du deine Aggressionen offen gegen andere aus - insbesondere gegen deine Mutter. (indirekt aber auch gegen den Analytiker indem du Entwicklung verweigerst) Du möchtest gegen ihren Willen von ihr versorgt werden. Außerdem bestrafst du sie immer wieder mit Schweigen. Beides aggressive Verhaltensweisen.
Insofern könnt ihr (dein Bruder und du) euch beide nicht beherrschen - so wie du es ausdrückst.

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Baerchen
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Beitrag Di., 07.06.2016, 18:48

ja, stimme dir in dem was du beschreibst zu, peppermint patty.

manchmal erkenne ich mein aggressives handeln ein bißchen.

ein beispiel: wenn ich in ein laden gehe und kleidung kaufe, lege ich die kleidungsstuecke nicht mehr hin, wie sie mal waren. mache ich absichtlich, einfach hinlegen. am besten alles durcheinander machen.

aber nur, wenn es keiner sieht. wenn eine verkaeuferin hinschaut, gebe ich mir natuerlich muehe, alles wieder zu verlassen, wie es war. meine aggressiven gedanken duerfen ja auf keinen fall auffallen.

ziemlich hinterlistig bin ich. merke ich auch in der beziehung zu meiner mum und meinem bruder.

mein bruder ist da anscheinend ehrlicher. er hat zwar dafuer andere defizite, aber ich finde es auch gerade wichtig mir einzugestehen, dass ich nicht nur lieb bin. aber ich verkaufe mich nach außen immer als das kleine sueße baerchen.

nicht leicht, mal hinter die fassaden zu schauen. das ertrage ich nur, wenn ich auch eine stimme habe (wie mein therapeut), der dann auch hinweise geben kann, weshalb ich das mache. denn er bewertet es nicht.

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Baerchen
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Beitrag Di., 07.06.2016, 18:54

ein unschuldslamm bin ich nicht, aber ich waere gerne eins. finde es sehr schlecht aushaltbar, meine eigenen fehler einzugestehen. da schaut man lieber auf die der anderen, kennen sicherlich hier einige.

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peppermint patty
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Beitrag Di., 07.06.2016, 18:59

Damit bist du ganz sicher nicht alleine - ich wäre manchmal auch lieber fehlerfreier. Oder perfekt. Bin ich aber nicht. Andererseits wenn ich Fehler bei anderen zulassen kann so kann ich sie mir selbst auch eingestehen. Habe das so auch in der Therapie erlebt, dass sich meine Thera Fehler zugestehen (und zugeben) kann, ganz ohne mit sich selbst zu hadern. Das fand ich sehr lehrreich.
Denn Fehler bedeuten nicht weniger liebenswert zu sein!


isabe
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Beitrag Di., 07.06.2016, 19:10

Wenn du häufig die Erfahrung gemacht hast, dass "alle" gegen dich sind, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass du immer annimmst, es könnte wieder so werden. Ich glaube, das ist eine Ansammlung von Zufällen, die darüber entscheiden, wie wir mit solchen Situationen umgehen. Ich hab das mal bei Anderen beobachtet: Es gab einen Vorfall, der bei zwei Menschen nahezu identisch war. Der Eine hat das als Einzelfall bewertet, der Andere hat es als "immer passiert mir so was" bewertet. Und je nachdem, wie oft du die bestimmten Schubladen benutzt, in die du was einordnest, sind sie dir sehr vertraut oder gar nicht vertraut. Und dann geht es weiter so.

In der Therapie kannst du folgendes lernen:
Es ist nicht IMMER so, dass dich ALLE ablehnen. Aber, fast noch wichtiger, selbst wenn du in einer ähnlich schwierigen Lage bist, kannst du lernen, das durchzustehen, ohne dass es dich in eine Krise stürzt oder du dich "verfolgt" fühlst.

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