Hallo Sakiri,
das ist keine Therapie, das ist verbales BDSM. Wobei BDSM normalerweise im Konsens abläuft, es gibt klare Regeln, ein Stopwort - das alles gibt es in dieser "Therapie" nicht. Damit ist auch schon alles gesagt, warum das schädigend ist, was da abläuft und ziemlich sicher nicht heilsam. Was dein Therapeut macht ist das, was missbräuchliche Eltern machen, die sagen: "Ich schlage dich nur deshalb halbtot, weil dich dich doch so lieb habe."
Sakiri hat geschrieben: Di., 23.07.2024, 22:22
Er: "Das denkst du. Ich bin aber der Therapeut. Die Konfrontation war therapeutischer Natur". An dem Punkt war ich komplett sauer und pampte ihn an: "Genau da liegt das Problem zwischen uns. Es geht hier nicht um dich, sondern um mich und um uns. Wenn ich dir sage, was ich brauche, dann ist das so. Ich weiß am allerbesten, was ich brauche, nicht du! Du weiß es nicht besser". Er hat dann, nachdem er mir mitteilte, dass die Gruppe in dem Falle vielleicht nicht das Richtige für mich sei, irgendwas über Konfrontationen erklärte und meinte, er würde sie nie einsetzen, um jemanden herabzusetzen oder zu kränken, sondern damit der Patient daran wachse und fragte mich: "Jetzt in diesem Moment bist du doch gewachsen, oder nicht? Du hast einen Schritt nach vorn gemacht, oder nicht?" An dem Punkte hatte er mich (ich war auch schlichtweg erschrocken über die Ausschluss-Drohung, so habe ich sie zumindest 'gehört'...ich konnte nur kleinlaut "Ja" sagen. Die anderen schmunzelten. Das war ein wenig beschämend für mich.
Da gehen mir sooo viele Dinge durch den Kopf:
1. Ich finde es richtig gut, dass du dem Therapeuten Paroli geboten hast und zu dir selbst gestanden bist. Er hat eben nicht die alleinige Deutungshoheit, egal was er behaupten mag. Dazu kannst du dich selbst beglückwünschen, ganz ehrlich!
2. Dein Therapeut gibt sich einen Freibrief. Er darf sich wie ein Arschloch benehmen, provozieren und Dinge sagen, die voll daneben sind - und hinterher behauptet er einfach, das wären therapeutische Interventionen gewesen. Finde den Fehler.
3. Ja, manchmal sind Dinge paradox. Du bist in diesem Moment gewachsen, und ja, die Provokation des Therapeuten war Auslöser. Aber du bist gewachsen, weil du zu dir selbst gestanden bist, weil du dich und deine Bedürfnisse ernst genommen hast und dir das so wichtig war, dass du in die Auseinandersetzung gegangen bist (trotz Drohung des Therapeuten). Das kannst du dir selbst auf die Fahnen schreiben. Du bist trotz der "Intervention" des Therapeuten gewachsen nicht wegen ihr.
4. Deine Deutung des Schmunzelns der anderen - ich glaube, da waren viel mehr auf deiner Seite als du dir vorstellen kannst. Die Beschämung ist deine eigene (Ab)Wertung. Dass die anderen auf den Therapeuten so reagieren musst du auch in den Kontext stellen, die Ausschluss-Drohung betrifft sie ebenso, sie haben das auch gehört und beziehen das genauso auf sich. Das Schmunzeln kann Vieles sein: Ironie, Sarkasmus, innere Ratlosigkeit, Hilflosigkeit. Ich habe in solchen Situationen oft ein komisches Grinsen, das eher Ausdruck meines inneren Schmerzes ist, das andere aber ziemlich sicher nicht so deuten würden.
Sakiri hat geschrieben: Di., 23.07.2024, 22:22
Jetzt bin ich gut durcheinander. Was ist da nur passiert? Frage mich auch, ob meine Reaktion heute etwas damit zu tun hat, dass der Therapeut nun für über einen Monat im Urlaub sein wird.
Hör auf, das zu zerdenken. Du gibst dem Therapeuten grade eine allmächtige Position.
Sakiri hat geschrieben: Di., 23.07.2024, 22:22
Ich habe auch gerade den Impuls ihm zu schreiben und zu fragen, ob er mich nun trotzdem noch lieb hat. Es ist verquer.
Das bleibt hoffentlich beim Impuls

?
Sakiri hat geschrieben: Di., 23.07.2024, 22:41
Ein Gedanke, der mir auch im Kopf rumschwirrt, ist, ob ich da sozusagen etwas erfolgreich 'inszeniert' habe. Ich kenne das gefühl, was ich gerade habe (ich fühle mich orientierungslos und verwirrt und gleichzeitig sehr lebenig), von meiner Ex-Beziehung, die mich ziemlich beschädigt hat. Da war es auch so, dass ich mich entweder an die Bedingungen des Gegenüber anpassen durfte oder die Beziehung wurde eben beendet. Da ich aber damals emotional abhängig war, ließ ich recht viel Unangenehmes über mich ergehen. Jetzt ist es auch so, dass meine Bedürfnisse auf solche harsche Gegenwehr stoßen, dass ich denke, es ist irgendwas komplett falsch mit mir.
Nein, nicht du bist verkehrt. Das Umfeld in dem du dich bewegst, ist "verkehrt". Egal ob die Beziehung oder diese "Therapie". Das greift in deine alten Muster und anstatt aus dem verkehrten Umfeld auszusteigen, arbeitest du dich daran ab, in der Hoffnung, dass dann alles endlich gut wird. Aber im verkehrten Umfeld wird es nie gut sein. Vermutlich hat genau das dich auch irgendwie zu diesem Therapeuten hingezogen, die Hoffnung, dass du es in dieser ewigen Wiederholungsschleife irgendwann schaffst, dass du nicht mehr "falsch" bist.
Insofern ist das eine Reinszenierung - aber grundsätzlich würde ich sagen, zerbrich dir nicht den Kopf darüber, was das war oder nicht war. Das Lebendigkeitsgefühl kommt zustande, weil du in der Situation nicht nur über den Kopf agiert und reagiert hast. Wenn man von seinen Gefühlen und Impulsen abgeschnitten ist, können auch negative Situationen/Gefühle einen richtigen Kick geben. Das ist dann besser als gar nichts. Und verstärkt dann auch noch das Muster, das man an der unguten Umgebung festhält und sich daran abarbeitet. Es läuft in Wirklichkeit anders herum ab: Wenn du anfängst, dich zu akzeptieren, dir selbst mit Mitgefühl zu begegnen, dich nicht mehr emotional von der Reaktion des Gegenübers abhängig machst, dann verschwindet dieses "ich bin verkehrt" Gefühl auch allmählich.
Ich würde an deiner Stelle aus dieser Therapie aussteigen. Such dir lieber jemanden, der dich als Person wertschätzt, der mit dir zusammen in Offenheit und freundlicher Neugierde und mit Respekt deine Innenwelten erkundet. Auch da wird es sicher Auseinandersetzungen und Konfrontationen geben, und auch die werden schwierig sein und dich im Nachgang noch beschäftigen. Es ist aber ein himmelweiter Unterschied, wenn die Bindungsebene zu einem Therapeuten/Therapeutin grundsätzlich stabil ist und du nicht automatisch in die Unterwerfung schlitterst weil der Therapeut gerade "böse" war. Das was in dieser Therapie abläuft verstärkt eigentlich nur deine unsicheres Bindungserlebnis, das du seit deiner Kindheit mit dir herumträgst und damit schadet es dir anstatt dass es dir hilft.