Schwierigkeiten in der Beziehung zu meinem Therapeuten

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Adventskranz
Helferlein
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:38

Ich antworte auf die Frage, wie es zu werten sei, wenn der Thera tatsächlich gekränkt gewesen sei.



gar nicht, ein Thera ist halt auch ein Mensch mit menschlichen Gefühlen. In Deinem Fall würde ich es sogar eher bedenklich finden, wenn er sich nicht über Deine Spielchen ärgern würde.

Wenn Du ihm nicht zeigen willst, dass Du ihn brauchst, dann lebe ohne ihn! Vor allem, wenn Dich sowieso alles ärgert. Was würde es bringen dies jetzt die restlichen Stunden noch durchzukauen?

Allerdings ist so ein solcher Abschied nach so langer Zeit natürlich sehr traurig. Trotzdem würde ich Dir raten, wenn überhaupt, nur dann Kontakt zu ihm aufzunehmen, wenn Du bereit bist an Dir zu arbeiten anstatt sein Verhalten oder etwaige Fehler irgendwie zu analysieren oder Dir den Kopf über sein Innenleben zu zerbrechen.
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isabe
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:40

Therapeuten sind generell natürlich nicht begeistert, wenn jemand die Therapie abbricht. Das kann viele Gründe haben: Es kann bedeuten, dass er sich wie ein Versager fühlt (v.a. wenn ihm das öfter passiert ist). Es kann bedeuten, dass er ganz professionell denkt, dass es schade ist, dass ihr den Weg nicht weitergehen könnt. Und es kann bedeuten, dass er den Patienten vermisst. Manchmal all das auch vermischt.

Trotzdem würde er niemals auf dich zugehen, selbst wenn er es wollte. Dass du das hoffst, ist normal.

Du fragst immer, was das bedeutet, wenn er gekränkt ist. Es muss nicht so viel bedeuten. Es wird ihm nicht endlos schlaflose Nächte bereiten. Trotzdem wird er nicht gleichgültig sein, denn eine Therapie ist kein Besuch in einer Autowaschanlage.


isabe
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:43

Vor allem: Wenn Patienten immer wieder dasselbe Ding durchziehen ("ich gehe jetzt"), dann wird der Therapeut am Ende wirklich gleichgültig, weil er das nicht mehr ernst nimmt. Dann geht es dir wie Frau Leimbach-Knorr bei Fack ju Göhte...

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Baerchen
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:44

@isabe: es geht bei dem kraenkbar sein des therapeutens nicht um ihn.

ich will erfahren, was es bedeutet, wenn es ihn kraenkt, dass ich auch ohne ihn leben kann.

wenn das der fall ist, dann waere das doch nicht normal? waere es dann nicht, wie in der beziehung zu meiner mum? das ist naemlich das, was mir bedenken macht.

ich habe bammel, dass er aehnlich ist, wie meine mum.

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Tristezza
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:45

Du könntest noch was aus der Therapie rausziehen, wenn du dein Agieren einstellen würdest. Statt im nonverbal irgendwelche Botschaften (seien sie ehrlich oder verlogen) zu senden, könntest du nun endlich anfangen zu sprechen. Deine Wut, deinen Ekel, deine Zweifel an ihm auszusprechen. Das wäre ein erster Schritt in Richtung "erwachsener werden". Mit dem anderen in einen Dialog treten. Dann kannst du auch mit deinen Spekulationen über ihn aufhören. Er kann dann äußern, ob er gekränkt, gleichgültig etc. ist.


isabe
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:49

Ich habe doch gesagt: Es gibt unterschiedliche Dimensionen des Gekränktseins. Nicht normal wäre es, wenn er dich stalkt. Davon ist gewiss nicht auszugehen.

Es ist vollkommen normal, wie er reagiert hat, zumal er ja noch mal nachgefragt hat. Und er hat "gut" gesagt, und das ist es, was zählt. Du kannst davon ausgehen, dass er jetzt nicht auf der Brücke steht vor lauter Gekränktsein. Trotzdem kann es sein, dass er vorhin überrascht war und ein bisschen beleidigt oder verstört. Das ist alles ganz normal.

Und so verstrickt wirkt das, was du bisher geschrieben hast, nicht. Da kenne ich deutlich krassere Versionen...

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Baerchen
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:52

dieses -gut- nahm ich anders war und zwar eingeschnappt. gut, dann geh halt. und das war auch in der art und weise gemeint.

es war ein beleidigtes -gut- was ich an der stelle ueberhaupt nicht leiden kann.

es macht mich derart wuetend, dass er beleidigt war, dass ich die therapie beende.
Zuletzt geändert von Baerchen am Mo., 22.08.2016, 19:54, insgesamt 2-mal geändert.

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stern
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:52

Baerchen hat geschrieben:denn ich merke sehr deutlich, dass ich ihn damit verletzen will.
Ich nehme an, dass dir das gelungen sein könnte... das spürt man ja evtl. auch, selbst wenn das nicht explizit so geäußert wird. Ob er tatsächlich gekränkt war, weiß ich nicht... aber wundert dich das tatsächlich, wenn Menschen dann auch gekränkt bzw. verletzt wären, wenn du so mit ihnen umgehst, dass du verletzen willst und Spielchen spielst?

Ich weiß nicht, wo ihr steht... aber jede Therapie verträgt nur ein bestimmtes Maß an Destruktivität (oft genug im Forum nachzulesen)... ich würde daher den Bogen nicht überspannen.

Ich denke, kein Therapeut ist gekränkt, wenn man wirklich selbständig ist... im Gegenteil. Höchstens wenn man Spielchen spielt, Therapie zerschmettert, destruktiv ist, usw.
Liebe Grüße
stern 🌈💫
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Baerchen
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 19:57

stern hat geschrieben:Ich nehme an, dass dir das gelungen sein könnte... das spürt man ja evtl. auch, selbst wenn das nicht explizit so geäußert wird. Ob er tatsächlich gekränkt war, weiß ich nicht... aber wundert dich das tatsächlich, wenn Menschen dann auch gekränkt bzw. verletzt wären, wenn du so mit ihnen umgehst, dass du verletzen willst und Spielchen spielst?
ja, es wundert mich sehr, weil ich erwarte, dass es in der therapie anders laeuft.

ich meine damit nicht, dass er nach meiner pfeiffe tanzt.

meine, dass er nicht kraenkbar sein darf, wenn ich ihm mitteile, dass ich auch ohne ihn leben kann.

wenn ihn das kraenkt, dann ist es normal, dass ich denke, mein therapeut ist vielleicht wie meine mum.

und das verunsichert mich, auch wenn ein anderer anteil will, dass er meine abhaengigkeit mag.

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**AufdemWeg**
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 20:01

Hallo Bärchen,

er ist vielleicht nicht über die Tatsache gekränkt, dass du ohne ihn leben kannst
als viel mehr über den Umgang?

Ich glaube, eher bist du gekränkt, dass er ohne dich kann?

LG ADW
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stern
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 20:02

Baerchen hat geschrieben:es macht mich derart wuetend, dass er beleidigt war, dass ich die therapie beende.
Wie gesagt: Vielleicht eher über dein Verhalten im allgemeinen.

Und das war ja auch keine durchdachte Beendigung, sondern auch diese sollte ihm etwas zeigen... Spielchen eben. Und ich würde es eher als normal ansehen, wenn Therapeuten darauf reagieren... Nichtreaktion fände ich eher bedenklich. Ich erkenne hier auch keine Unprofessionalität. Du hast dir mit den Spielchen selbst ein Ei gelegt und jetzt bist du dran... nicht er.

Ein Therapeut ist eher froh, wenn Patienten ohne ihn leben können (ich denke hier liegt eher eine Mutterübertragung vor bzw. Projektion)... und ich glaube auch nicht, dass du bisher verkörpert hast, sonderlich unabhängig zu sein. Insofern war das evtl. nicht sonderlich glaubhaft. Aber mglw. bist du in der Therapie auch nicht so transparent wie hier gewesen, wo du öfters erwähntest, dass du nicht ohne ihn kannst.
Liebe Grüße
stern 🌈💫
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isabe
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 20:05

Aber kannst du nicht akzeptieren, wenn dir hier ausnahmslos jeder sagt:

"Ein bisschen Gekränktsein ist normal in zwischenmenschlichen Beziehungen. Es wird gemischt sein mit Überraschung und Verwunderung. Er wird nicht übermäßig beleidigt sein. Und ein bisschen Beleidigtsein ist ebenso vollkommen normal"?

Wenn du ernsthaft erwartest, also auch rational und nicht nur in der Hitze des Gefechts, dass er, nur weil er Therapeut ist, sich von dir behandeln lässt wie eine Puppe, dann finde ich das schon krass. Ich kann verstehen, dass ein Patient in der Stunde manchmal neben sich steht und Dinge sagt, die er später bereut. Ich kann auch verstehen, dass man enttäuscht ist, wütend und verletzt.

Aber was ich wirklich nicht verstehen kann, ist, wenn du sagst: "Er ist doch Therapeut, da muss er doch auf meine Manipulation so reagieren, wie ich mir das wünsche".

Was hättest du dir denn tatsächlich für einen Dialog gewünscht?

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Baerchen
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 20:05

**AufdemWeg** hat geschrieben:Hallo Bärchen,

er ist vielleicht nicht über die Tatsache gekränkt, dass du ohne ihn leben kannst
als viel mehr über den Umgang?

LG ADW
das wirkte auf mich aber anders. es war fuer mich deutlich spuerbar, dass es ihn kraenkte.

er fragte mich ja danach, dass ich dann evtl. noch wochen auf den termin gewartet haette und da meinte ich ein eher abwertendes ja. bzw. ein ja, dass ihm deutlich machte (was ich absichtlich machte), dass es mir egal ist, dass ich noch wochen auf ihn warten muss. dabei war es mir alles andere als egal. aber es war eben der test, den er fuer mich nicht bestanden hat.

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**AufdemWeg**
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 20:07

Naja, also über den Umgang.
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Freifrau
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Beitrag Mo., 22.08.2016, 20:08

Bärchen, ich glaube, er findet es schade, dass du die Therapie beendet hast. Und er hätte dir gerne geholfen. Aber wenn du nicht willst, dann ist es für ihn auch ok. Ich glaube nicht, dass er gekränkt war. Und das kränkt nur DICH. Sein Leben geht normal weiter und ihn haut das nicht so aus den Socken wie Dich. Er ist in sich gefestigt und nicht von dir abhängig. Und das kränkt Dich!

Eigentlich hättest du es gerne, dass er gekränkt ist und von Dir abhängig ist. Weil du das mit Liebe verwechselst. Aber das ist keine Liebe. Er ist nicht von dir abhängig und du bist ihm trotzdem wichtig und er würde dir helfen. Das ist normales und gesundes Verhalten.

Ich glaube, du bist in großer Abhängigkeit zu Deiner Mutter aufgewachsen. Diese kranke Abhängigkeit macht dich wütend. Und das ist gut so. Du kannst in der Therapie Neues kennen lernen und heilen. Ich hoffe, du wirfst das nicht weg.
"Bei den Frauen gibt es zwei Möglichkeiten, entweder sie sind Engel, oder sie leben noch." (Charles Baudelaire)

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